Vor allem anderen steht das maritime Brake im Fokus unserer Interessen und unserer Arbeit. Oberstes Ziel muss es sein, die Attraktivität unserer Stadt für Jung und Alt zu erhalten und stetig verbessern. Dafür müssen die Voraussetzungen gesichert und weiter entwickelt werden, damit unsere Stadt als Wohn- und Wirtschaftsstandort im Wettbewerb mit den umliegenden Kommunen um Einwohner und Betriebe bestehen kann und ihrer Funktion als Mittelzentrum gerecht wird.
Das ist nur möglich, wenn die Pflege und der Erhalt der stadteigenen Gebäude und Anlagen sowie der Ausbau unserer Infrastruktur absolute Priorität haben. Die Förderung des Ausbaus von Glasfaseranschlüssen im gesamten Stadtgebiet und die Initierung zukunftsweisender Investitionen, wie z.B. Pilotprojekte zur Wasserstofferzeugung für die Braker Logistikunternehmen, die Unterstützung von E-Mobilität oder frei nutzbarer Internetzugänge, gehören ebenso dazu, wie die Internetversorgung der Schulen.
Rat und Verwaltung haben sich 2012 erstmals auf Grundzüge eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) verständigt. Das ISEK soll Leitfaden und Basis für die strategische Stadtplanung sei. Bei seiner Fortschreibung müssen nicht nur die Interessen und Bedürfnisse von jung und alt zu berücksichtigen, sondern dabei sind auch die berechtigten Ansprüche der Hafenwirtschaft, von Industrie und Dienstleistern und Handel in Einklang zu bringen. Stadtentwicklung verstehen wir dabei als einen ständigen Prozess, in den erkennbare Trends und neue Erkenntnisse laufend einbezogen werden müssen. Das ISEK ist gerade wieder aktualisiert und ein Masterplan Innenstadt als Basis für eine mittelfristig angelegte Umgestaltung der Innenstadt im Rat verabschiedet worden. Die ersten Massnahmen, wie z.B. ein neuer Spielplatz für die Kleinsten, ein Ideenwettbewerb für die Umgestaltung der Innenstadt, sind auf den Weg gebracht worden. Alle Entscheidungen im Rathaus müssen sich daran messen lassen, ob sie dem Interessenausgleich zwischen den Generationen dienen und dabei erkennbare Entwicklungen berücksichtigen. Dazu gehören der demographische Wandel, veränderte Bildungs- und Freizeit-ansprüche und wachsende Mobilitätsunterschiede zwischen Jung und Alt. Es gibt immer weniger Geburten und die Menschen werden älter. So muss langfristig auch mit einem geringeren Bedarf an Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulplätzen gerechnet werden.
Brake hat eine vorbildliche Versorgung mit Kinderbetreuungs-einrichtungen, sowohl in städtischem Besitz als auch in freier Trägerschaft. Ein Großteil der Investitionsmittel und Unterhaltsleistungen der Stadt fließen in die Kitas und Grundschulen. Lediglich für Krippen- und Hortplätze werden noch Elternbeiträge erhoben. Auf der Grundlage eines zukunftsfähigen Schulentwicklungskon-zeptes unter Berücksicgtigung der voraussehbaren demographischen Veränderungen und der finanziellen Möglichkeiten wurden die notwendigen baulichen Maßnahmen abgesteckt. Der Neubau der Grundschule Harrien war der erste Impuls zur Umgestaltung der Grundschulen, um aufwachsend ab 2026 für alle 1. Klassen ein verbindliches Ganztagsangebot zu ermöglichen. Mit der Realisierung der Ganztagsgrundschule wurde mit einem Investitionsaufwand von fast 14 Mio. €, der größten Investition der letzten 20 Jahre, ohne jegliche finanzielle Förderung von Bund oder Land ein absolutes Leuchtturmprojekt realisiert. Auch die städtische Jugendarbeit muss sich den veränderten Bedürfnissen und Nutzungsgewohnheiten anpassen. Die Zentralisie-rung des Jugendtreffs im BBZ und der Bau des Skaterpark zeugen von den Bemühungen, auch für die Jugendlichen ein attraktives Anagebot zu erhalten und auszubauen. Leider ist die Idee des Jugendforums, eine Interessenvertretung für Jugendliche nach Ausscheiden der Gründergeneration versandet. Vielfältige Sporteinrichtungen wie das zentrale „Brommy-Bad“ sind unverzichtbar, obwohl sie den Etat der Stadt mit beträchtlichen Summen belasten. Die WGB wird die Ankündigung der Verwaltung, mittelfristig eine verbesserte Kostendeckung zu erreichen, unterstützen und kritisch begleiten. Die auf den Weg gebrachte energetische Sanierung des Bades ist dabei ein wichtiger Schritt. Das Ziel, mittelfristig auf dem alten Freibadgelände einen Park mit einem regenwassergespeisten Naturbad zu schaffen, steht aufgrund der Zusage von Fördermitteln des Bundes kurz vor der Realisierung.
Ein besonders wichtiges Thema wird das altersgerechte Wohnen werden. Die berechtigten Bedürfnisse und
Interessen der älteren Generation dürfen keinesfalls vernachlässigt werden. Hier ist die Gewährleistung der Nahversorgung in allen Stadtteilen die Mindestvoraussetzung, um möglichst lange
selbstständig sein Leben gestalten zu können. Das Angebot seniorengerechter Wohnungen muss weiter verbessert werden.
Das St. Bernhard Hospital hat endlich im 140 Jahr seines Bestehens das Signal von der Landesregierung erhalten, dass der geplante und dringend erforderliche Ausbau nach den Plänen des Sozialministeriums mit über 50 Mio. € gefördert werden soll. Die planerischen Voraussetzungen sind nun zwar geschaffen worden, damit dieser Leuchtturm für die gesamte Wesermarsch auch weiterhin zum Wohle aller Bürger wirtschaftlich betrieben und das Leistungsspektrum weiter ausgebaut werden kann. Aber aufgrund der Verzögerung der Umsetzung der vom Bund initierten Krankenhausplanung und der damit verbundenen Vergabe der notwendigen Leistungsgruppen verzögert sich Umsetzung der Planung, und gefährdet die wirtschaftliche Stabilität des Hauses. Für 2026 mußte deshalb ein Insolvenzverfahren in Eigenregie angemeldet werden.
Die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt ist weitgehend gesichert. Neben dem Kompetenzzentrum am Krankenhaus bietet das Ärztehaus in Hammelwarden eine sehr große Bandbreite medizinischer Leistungen. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) mit angestellten Ärzten ist ein gutes Konzept, um auch bei veränderten work-life Ansprüchen des medizinischen Nachwuchses einem zu befürchtenden Ärztemangel rechtzeitig vorzubeugen.
Unser Hafen ist geschichtlich und aktuell die wirtschaftliche Seele der Stadt. Ein stetig wachsender Umschlag, über 1000 Arbeitsplätze und fast unbegrenzte Gewerbeflächen am Fluss: Brake steht mit an der Spitze der niedersächsischen Umschlagsplätze und nimmt als Spezialhafen eine wichtige Nischenfunktion zwischen den großen europäischen Standorten Rotterdam-Vlissingen und Hamburg ein. Auch im Binnenschiffsverkehr steht Brake hinter Emden und Oldenburg in Niedersachsen ganz oben.
Der Hafen mit den hier bereits seit langem erschlossenen Gewerbeflächen weist ein beträchtliches
Entwicklungspotenzial auf. Die damit verbundenen Wachstumschancen (auch vor dem Hintergrund der sich in Planung befindlichen A20 und der rechtlich noch umstrittenen Weservertiefung) sind
allerdings nur zu realisieren, wenn auch die planungs- und umweltrechtlichen Vorgaben erfüllt werden. Ein weiterer Hafenausbau und die Steigerung der Umschlagszahlen sind langfristig nur
durchsetzbar, wenn gleichzeitig die vom stetig wachsenden LKW Verkehr betroffenen Anwohner durch eine andere Verkehrsführung entlastet werden. Die Nordumgehung von Golzwarden („Golzwarder
Spange“) muss verbindlich geplant, finanziert und realisiert werden ohne den städtischen Haushalt zu belasten.
Brake hat in den vergangenen Jahrzehnten viele und gut bezahlte Arbeitsplätze verloren. Die Auflösung des Marine-Standortes hat immense Kaufkraft gekostet. Erhalten geblieben sind u.a. mit einer erfreulichen Entwicklung das Kunststoff verarbeitende Rehau-Werk und die bereits seit 1912 bestehende Fettraffinerie (heute: Olenex).
Beide Unternehmen haben ihre Braker Standorte in den vergangenen Jahren stark ausgebaut oder erweitern gerade. Auch der
Logistikbereich hat sich in den vergangen Jahren gut entwickelt. Leider fehlen aber außer der Kunststoffverarbeitung alle anderen aktuellen Wachstums- bzw. Leitbranchen wie z.B.
Energiewirtschaft, Recycling, Informationstechnologien. Die Stadt wird prüfen, welche gewerblichen Flächen hierfür entwickelt und angeboten werden können und in Zusammenarbeit mit der
Wirtschaftsförderung Wesermarsch ein tragfähiges Vermarktungskonzept erarbeiten. Im Rahmen der gerade angestossenen Wasserstoffstrategie, hat die Stadt sich in einem bundesweiten Wettbewerb
mit dem Projekt "H2 Brake CO2" durchgesetzt. In Brake wird bis Ende 2026 auch eine eine Wasserstofftankstelle entstehen.
Als Kreisstadt ist Brake auch ein zentraler Verwaltungsstandort mit dem Sitz zahlreicher Behörden, dem Amtsgericht und dem Oldenburgisch Ostfriesischem Wasserverband (OOWV) mit vielen Einpendlern, von deren Kaufkraft Brake profitiert oder profitieren könnte. Dass das so bleibt oder noch verbessert wird, dafür setzt sich die WGB ein.
Brake ist mit einem hohen Zentralisationswert das
Einzelhandels-zentrum der Wesermarsch. Die günstigen Bewertungen bei Verkaufsfläche und Umsätzen werden jedoch in erster Linie durch die Großflächen an der Weserstraße erreicht. Die
Bedeutung des Einzelhandels in der Fußgängerzone nimmt aufgrund wachsender Leerstände, unübersehbarer Lücken im Angebot und der Aufwertung anderer Standorte im Umfeld weiter ab. Ein attraktiver
Branchenmix fehlt zunehmend. Die zentrale Versorgungsfunktion geht damit an dieser Stelle verloren. Brake insgesamt erfüllt aber die Versorgungsfunktion für 40 bis 50 Tsd. Einwohner nicht nur im
Handel, sondern auch im Gesundheitswesen, mit sozialen Einrichtungen und auf dem Gebiet der Kultur (Niederdeutsche Bühne, Centraltheater, Schiffahrtsmuseum, Kultur im
Fischerhaus, Kulturförderung, KVHS) und ist Bildungsmittelpunkt der Region. Von der Stadt und den Braker Vereinen vorgehaltene Sport- und Freizeiteinrichtungen (Hallenbad, Sportstätten…)
werden von den Bürgern der umliegenden Gemeinden mit genutzt. Dies ist eine wichtige Funktion eines Mittelzentrums.
Wir brauchen ein wirtschaftsfreundliches Klima und unternehmens-freundliche Rahmenbedingungen, um so die Voraussetzung für wünschenswerte Betriebserweiterungen und dringend erforderliche Neuansiedlungen zu schaffen. Niedrige Gewerbesteuersätze sind hierbei ebenso bedeutend wie auch eine zukunftsorientierte Haushaltspolitik, die alle verantwortbaren Einsparpotenziale ausschöpft.
Wir erwarten aber auch, dass die von der Stadt Brake mitfinanzierte Wirtschaftsförderung Wesermarsch endlich einen erkennbaren Beitrag bei der Vermarktung der seit langem erschlossenen und bislang kaum genutzten Gewerbeflächen leistet. Die Pläne in Golzwarden und Hammelwarden weitere Baugebiete zu entwickeln, werden von der WGB ausdrücklich begrüßt und politisch unterstützt, zumal in den letzten Jahren gerade in diesen Stadteilen viel für die Schulen und Kindergärten und die Nahversorgung getan wurde. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um die Anwerbung von dringend benötigten Fachkräften zu erleichtern und den Einpendlerüberschuss in Einwohnerzuwachs umzuwandeln.
Die Weserstraße hat teilweise bereits die ursprüngliche Funktion der Innenstadt übernommen. Eine Revitalisierung der City wird ein schwieriger und langwieriger Prozess. Ein auf die Fußgängerzone reduzierter Einzelhandelsbereich mit hochwertigen, inhabergeführten Fachgeschäften als Alleinstellungsmerkmal („Schaufenster Brake“), der wie ein kleines Einkaufszentrum geführt werden muss, kann eine Alternative zum jetzigen Flickenteppich aus Fachgeschäften, Leerständen und Billiganbietern sein. Jede Stadt braucht ein positives Identifikationszentrum. Und das ist und bleibt in Brake die Breite Straße, die Mitteldeich- und Hinrich- Schnitger-Straße, das historische Stadtbild und die Kaje.
An der südlichen Hafenstraße könnte in Zusammenarbeit mit der Hafenwirtschaft eine Meile mit maritimen Geschäften, Gastronomiebetrieben und Dienstleistern als "Schaufenster Hafen" entstehen als passende Ergänzung zum angrenzenden Hafenbetrieb.
Die "Genussgastronomie" mit maritimen Flair am Binnenhafen muss erhalten und ausgebaut werden, die Außengastronomie an der Kaje gefördert und die Nutzung unseres besten Stückes für regelmäßige Veranstaltungen wie z.B. die erfolgreiche "Sommerlounge" oder das Bildhauerfestival ermöglicht werden. Die Fussgängerzone muss mittels eines neuen Verkehrskonzeptes und Massnahmen zur Erhöhung der Verweilqualität (Kunst, Blumenbeet, Wasserspiele, Bänke, Spielilgeräte..) attraktiver werden.
Zwischen Borgstede&Becker Haus, Telegraph-Kaje und der Mitteldeichstraße mit Fiascherhaus und Central-Theater entsteht die Braker-Kulturmeile. Der Brake Verein sorgt für die Anbindung und Vernetzung mit den Tourismuszentren in Butjadingen und umzu. Theater- und Kinobesuche, Ausstellungen im Museum, Veranstaltungen an Kaje und Museumsgarten, Stadtführungen und Hafenrundfahrten, Brake als Ausgangspunkt für Radtouren und Fahrten mit der Guintsiet und der Oceana, gute Restaurants dierekt am Strom: Das sind gute Voraussetzungen für Leben und Freizeit am großen Fluß für Senioren, Touristen und Jungegebliebene.
Mit der Eröffnung eines Mittelklassehotel im ehemaligen Aldi-Haus und der Aufstockung des Weser-Hotels sowie durch das Landhotel am Stadion wurde die Bettenkapazität soweit erhöht, dass nun auch größere Reisegruppen untergebracht werden können und Tagungen und Fortbildungsseminare in Brake stattfinden können.
Das alles erfordert eine kreative und intelligente Balance zwischen solider Haushaltspolitik bei Ausnutzung aller sinnvollen Fördermaßnahmen von Land und Bund und einen langen Atem. Ein verantwortungsbewusster Rat hat darüber hinaus -wie in der Wirtschaft üblich- zu differenzieren, ob eine Kreditaufnahme als Investition der Erhaltung oder Erweiterung unserer Infrastruktur dient, also nachhaltig ist, oder dem konsumtiven Bereich zuzurechnen ist.
Das ist uns besonders wichtig - dafür setzen wir uns ein:
Und das geht mit uns gar nicht:
